„Die Generalin“

oder: Wie man eine Nationalbibliothek herunterwirtschaftet. Ein Kommentar.

Keine zehn Jahre hat Johanna Rachinger gebraucht, um die Österreichische Nationalbibliothek zu ruinieren. Und sie hat ganze Arbeit geleistet. Kurz nach ihrem Amtsantritt 2001 hatte sie die Sammlungsdirektoren ausgewechselt, um dann die wissenschaftliche Arbeit innerhalb der einzelnen Sammlungen rigoros herunterzufahren. Sie hat damit eine Vernichtung von Expertise betrieben, von der sich die Institution in zwanzig Jahren nicht erholen wird.

Österr. Nationalbibliothek: Kein Platz für Wissenschaftler? (Foto: ÖNB)

Der Barockbau am Heldenplatz mit seinen Dependancen ist heute ein entkerntes Gebäude – dessen Fassade derart auf Hochglanz poliert ist, dass neben der „Generalin“, wie Rachinger hausintern genannt wird, ein Fürst Potjomkin alt aussieht. Denn nicht ausgedünnt, sondern kräftig aufgestockt, exzelliert die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit in der Kunst des Blendens. Die Medien fressen Rachinger aus der Hand, stopft sie ihnen doch vierteljährlich – abwechselnd dem Standard, der Presse und dem Kurier – mit einer bezahlten Selbstbeweihräucherungsbeilage Geld in die Taschen – und damit das Maul. (Dass in der aktuellen, vom Standard gekauften vierseitigen Hofberichterstattung Thomas Trenkler im Interview mit der Herrscherin über Österreichs größtes Buch-Imperium doch dezent die richtigen Fragen stellt, mutet geradezu wie Majestätsbeleidigung an.) Diese Sonderbeilagen liegen – alternierend in Standard-Rosa, mit dem blitzblauen Presse-Logo oder dem roten Kurier-Balken – jeweils in Stapeln auf allen Theken der Österreichischen Nationalbibliothek auf, auf dass – Kim Il-sung lässt grüßen – irgendwann einmal auch die 350 Mitarbeiter des Hauses die paradiesischen Zustände für bare Münze nehmen, die per Jubel- Publicity herbeigeschrieben werden.

Feudales Selbstverständnis

Sie wissen’s nur leider besser. Denn geleitet wird das Haus per Ukas. Die Hierarchie, die Rachinger installiert hat, funktioniert reibungslos und exekutiert abnickend alles, was mit feudalem Selbstverständnis von oben verordnet wird. Die Stimmung in der Nationalbibliothek ist denn auch im Keller, und dass die demotivierte „Fußtruppe“ unter diesem Regime trotzdem in aller Regel ihr Bestes gibt, ist jeder und jedem Einzelnen nicht hoch genug anzurechnen.

Rachinger versteht sich als Geschäftsführerin, alles, was für sie zählt, sind – Zahlen. Damit lässt sich in Zeiten wie diesen punkten: 400.000 urheberrechtsfreie Werke aus den Beständen der ÖNB sollen innerhalb von sechs Jahren in Kooperation mit Google gescannt und online zugänglich gemacht werden: ein „Public-Private- Partnership in der Größenordnung von 30 Millionen Euro“! Und erst die imposanten „BesucherInnenzahlen“! Bis auf eine kleine Delle 2008 wies unter Rachingers Leitung die Kurve stets nach oben: Der Jahresbericht 2010 weist 283.791 „LesesaalbesucherInnen“ aus. Wie diese Zahlen erhoben werden, wäre eine eingehendere Untersuchung wert.

Es wäre auch nur folgerichtig, wenn sie zusätzlich zu den gut 200.000 Euro Jahressalär einen Bonus von, sagen wir, 20 Prozent erhielte – als kleine Anerkennung ihrer numerischen Performance. Was für Bankmanager, die ihre Institute gegen die Wand gefahren hatten und mit Steuergeldern gerettet wurden, recht ist, kann für die „Österreicherin des Jahres“ in der Kategorie Kulturmanagement 2010, die eine – so das Leitbild und entsprechend der gesetzliche Auftrag der ÖNB – aus Steuergeldern basisfinanzierte „wissenschaftliche Einrichtung öffentlichen Rechtes“ gründlich heruntergewirtschaftet hat, nur billig sein.

Wie’s die „Generalin“ abseits des Hauptbuchs mit dem Buch hält und vielmehr noch mit dem, wofür es steht, erweist eine Serie literarischer Porträts, die der Kurier (kaum anders vorstellbar denn auf Gegengeschäftsbasis) ins Blatt rückte. Die sind exakt so, wie Rachinger „ihre“ Nationalbibliothek auf keinen Fall gesehen haben will: dröge, bieder, hausbacken.

Abgesehen von den schieren Zahlen: „BesucherInnen“ bezeichnet das Publikum der ÖNB-Lesesäle, im Hausjargon „Benützungseinrichtungen“ genannt, treffend. Wer an einem Tag wie diesem zwischen 9.30 und 17.30 Uhr in die ÖNB am Heldenplatz kommt, steht, wenn er nicht gleich unverrichteter Dinge wieder abzieht, zunächst einmal eine Stunde lang Schlange um ein freies Garderobekästchen, um dann erst recht keinen Platz im Haupt-, Großformate-, Austriaca- oder Zeitschriftenlesesaal zu bekommen. Warum? – Weil 98 Prozent aller Plätze von Leuten in Beschlag genommen werden, die dort schlicht nichts verloren haben; von Studenten nämlich, die die Lesesäle der ÖNB – WLAN, im Winter geheizt, im Sommer klimatisiert! – als Gratis-Internetcafé und Lernstube zweckentfremden.

Vor sechs, sieben Jahren jeweils nur vier, fünf Wochen zu Semesteranfang und zu Semesterende, heute bis auf zwei Monate im Sommer das ganze Jahr über. Ein eklatanter „Fehlbelag“! Deswegen, weil die Studierenden die Bestände der ÖNB nicht in Anspruch nehmen. Und weil damit Leuten, die die Bestände der ÖNB tatsächlich nutzen wollen oder müssen, dies nicht mehr möglich ist. Zudem machen die Studierenden keinen Unterschied zwischen ihrem privaten Wohnzimmer und einem öffentlichen Lesesaal: Permanent Gegacker, Gekicher und Gequatsche, Pausenhof-Atmosphäre in der gesamten Nationalbibliothek, konzentriertes Arbeiten war einmal. Dass inzwischen auch der Mann vom Pizza-Service Dauergast in der sogenannten Lese-Lounge ist, die Rachinger dort, wo einst der Zettelkatalog stand, einrichten und mit Kaffee- und Limo-Automat sowie Wittmann-Möbeln bestücken ließ, klingt nur wie ein schlechter Scherz, ist aber keiner.

Nicht verschwiegen sei bei aller Polemik, dass die Österreichische Nationalbibliothek auch über ein bemerkenswertes, äh, Alleinstellungsmerkmal verfügt, auf das die Generaldirektorin besonders stolz ist: Was in keiner anderen öffentlichen wissenschaftlichen Bibliothek der Welt denkbar wäre, bei Rachinger wird’s Ereignis: Handys in den Lesesälen!

Wiederholt per E-Mail darum gebeten, Abhilfe zu schaffen, ließ Rachinger zwar Anfang 2009 Maßregeln über angemessenes Verhalten in Bibliotheken plakatieren, es schert sich nur bis heute niemand drum. Ihre Antwort kann jemand, der für seine wissenschaftliche Arbeit auf die Bestände der Nationalbibliothek angewiesen ist, nur als Frotzelei verstehen: Sie begrüße die „sehr erfreulichen steigenden LeserInnenzahlen“ und empfehle, auf die „Tagesrandzeiten“ auszuweichen.

Gesetzlicher Auftrag

In einer Duplik an das Leitbild der ÖNB und ihren gesetzlichen Auftrag erinnert –„Die Österreichische Nationalbibliothek ist seit 2002 eine autonome ,wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechtes des Bundes‘. Sie ist eine Stätte der geistig-kulturellen Identität Österreichs, ein Ort der kulturellen Begegnung und des wissenschaftlichen Diskurses“ – lässt Rachinger antworten. Angelika Ander, Leiterin der Hauptabteilung Benützung und Information: Die ÖNB verstehe sich als „offene und serviceorientierte Einrichtung“, „die den Bedürfnissen aller BenützerInnen und BesucherInnen entsprechen möchte“. Man denke nicht daran, „StudentInnen, die die Einrichtungen der Bibliothek primär zum Lernen nützen, abzuweisen“.

Benützer der ÖNB-Bestände oder Gratis-Internetcafé-Besucher: Rachinger ist das Jacke wie Hose. Hauptsache, das Drehkreuz beim Eingang bleibt in Bewegung und die „BesucherInnen“- Zahlen stimmen. Dass Rachingers Sympathien unverhohlen letzterer Klientel gehören, leuchtet ein: Sie verursacht keinen Aushebungsaufwand. Unter dieser Perspektive erscheinen einzelne Direktiven, die die „Generalin“ im Lauf der Jahre ausgab, als Elemente einer gezielten Strategie, wissenschaftlich Arbeitende rauszuekeln – Motto: Chillen statt forschen!

Sie erhöhte per 1. Jänner 2006 überfallsartig die ohnehin schon üppig bemessenen Gebühren in der Großformate-Kopierstelle, in der Abteilung Mikroformen sowie in der Fernleihe prohibitiv – im wahrsten Sinn des Wortes: Sie behinderten Wissenschaft und Forschung und widersprachen dem gesetzlichen Bildungsauftrag der ÖNB. Eine ausgemachte Chuzpe, gleichzeitig von „lebendiger Brücke zwischen dem reichhaltigen Erbe der Vergangenheit und den zukunftsorientierten Ansprüchen der modernen Informationsgesellschaft“ (ÖNB-Leitbild) zu sprechen.

Die Gebührenerhöhung wurde inzwischen teilweise zurückgenommen, die Kopierstelle beim Großformate- Lesesaal vor kurzem überhaupt aufgelassen (Grund: Einsparung von Personal). Rachinger stellt dem Volk nun einen „Public Scanner“ zur Verfügung, der jeden zweiten Tag alibihalber ein paar Stunden funktioniert, bevor er wieder den Zweck erfüllt, der ihm in der Nationalbibliothek zugedacht ist: Zermürbung von Wissenschaftlern, Vernichtung von Forschungs- und Lebenszeit.

Handstreichartig auch eine Verordnung im Herbst 2010, wonach man nur mehr fünf Bücher (statt wie bis dahin zehn) gleichzeitig entlehnen durfte. Erst nachdem Andreas Weigel per Presseaussendung Druck gemacht hatte, nahm Rachinger diese Maßnahme wieder zurück. Was wurde nicht alles an dümmlichen Ausreden aufgetischt, um diesen Fauxpas im Nachhinein schönzureden: Um „eine gleichmäßige Bedienung aller LeserInnen“ angesichts „seit Jahren rasant steigender Medienbestellungen“ (die sind nachweislich rasant rückläufig!) zu gewährleisten, habe man die Limitierung eingeführt. Auch eine „Generalsanierung des Aushebesystems“ wurde bemüht – dabei kannten alle im Haus den wahren Grund: Bei den Ausgabeschaltern war Personal eingespart worden.

Das hat in der Öffentlichkeitsarbeit der ÖNB System: Wer sich etwa über den vor kurzem installierten neuen Online-Katalog beschwert – Feedback wird ausdrücklich gefordert –, der ein Murks sondergleichen ist, der muss sich von Margot Werner, der rechten Hand Rachingers und ihrer Frau fürs Grobe, die patzige Zurechtweisung gefallen lassen, dass QuickSearch „von der Mehrheit der BesucherInnen sehr positiv bewertet“ werde. Entweder tischt man vorsätzlich die Unwahrheit auf, oder man weiß drüben am Josefsplatz, wo die Generaldirektion residiert, tatsächlich nicht, was im Haus am Heldenplatz läuft.

Ob Rachinger in ihrem Selbstverständnis als Herbergsmutter seit Jahren ihrem gesetzlichen Auftrag zuwiderhandelt, sei dahingestellt. Das ressortzuständige Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur schert sich ohnehin keinen Deut darum.

Rachinger hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass sie die Österreichische Nationalbibliothek nur als Durchgangsstation auf dem Karriereweg in die Politik betrachtet. Aber ob man’s einer Politik, die Typen wie Rachinger und Noever gebiert, überlassen soll, darüber zu entscheiden, ob die Österreichische Nationalbibliothek wieder eine wissenschaftliche Einrichtung werden oder doch Partyzone bleiben soll, oder doch Rachinger selbst, die sich mit dem Job, den sie macht, für ebendiese Politik empfehlen will, ist wahrscheinlich auch schon wurscht.

 

Walter Schübler, geboren 1963, ist Literaturwissenschaftler in Wien. Er arbeitet derzeit im Rahmen eines FWF-Projekts an einer Anton Kuh-Werkausgabe.

 

Mehr zu diesem Thema:

Zur Situation an der Österreichische Nationalbibliothek: Ein Kommentar zu Walter Schüblers Beitrag „Die Generalin“. Von Murray Hall

Elitäres Bibliotheksverständnis? Ein Kommentar der Österreichischen Nationalbibliothek zu Murray G. Hall.

„Für und Wider zuhauf“. Zur Diskussion um die Österreichische Nationalbibliothek. Von Peter R. Frank

 

Links:
Presseaussendung von Andreas Weigel

 

Kommentare

Kommentar von Harrer

Zeit: 30.11.2011, 6:27 pm

Angesichts des rasanten Medienwandels steht auch die Österreichische Nationalbibliothek vor der Herausforderung der laufenden Anpassung ihrer strategischen Ausrichtung.

Waren noch vor wenigen Jahren kaum digitale Inhalte verfügbar, so umfasst der Digitale Lesesaal des Hauses heute bereits über 7 Mio. Seiten – und wird, wie Herr Schübler richtig feststellt, angesichts der Kooperation mit Google um weitere 200 Mio. Seiten anwachsen. Ebenso ist die Benützung der Österreichischen Nationalbibliothek einem Wandel unterworfen: steigend sind nicht nur die Zahlen der physischen Benützung vor Ort, sondern vor allem auch jene des Digitalen Lesesaals, die aktuell bei 2.700 Besuchen täglich liegen.

Es gilt also, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Mit zahlreichen laufend angepassten Maßnahmen gelingt das – wie das überwiegend positive Feedback der Leserinnen und Leser beweist – gut. Studierende schätzen die Serviceleistungen wie gratis W-Lan, Rechercheservice und freie Datenbanknutzung, WissenschafterInnen die fachliche Kompetenz in den Sondersammlungen und die rasche Bereitstellung von Medien sowie das wachsende Online-Angebot.

Im Gegensatz zu Herrn Schüblers Ausführungen, nimmt die Wissenschaft einen großen Stellenwert in der Österreichischen Nationalbibliothek ein: In den letzten Jahren wurden insgesamt 51 drittmittelfinanzierte Projekte am Haus durchgeführt.

Hinweisen dürfen wir auch auf einen speziell für ForscherInnen konzipierten und mit Zugangsbeschränkungen versehenen Lesesaal, der im kommenden Frühjahr eröffnen wird.

Diese Maßnahmen sowie strenge Regeln zur Benützung der Lesesäle belegen, dass sich die Österreichische Nationalbibliothek für alle ihre Leserinnen und Leser aktiv einsetzt.

Die Polemik von Herrn Schübler verstehen wir als elitäre Forderung nach einem Aussperren von Studierenden, das weder der gesetzlich verankerten Zweckbestimmung des Hauses entspricht noch im Sinne eines niederschwelligen Zugangs zu Kultureinrichtungen für gut befunden werden kann.

Irmgard Harrer
Österreichische Nationalbibliothek
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit



Kommentar von Fetz

Zeit: 1.12.2011, 4:37 pm

Derzeit lau­fen an der Österreichischen Nationalbibliothek meh­rere FWF-Forschungsprojekte, dazu kom­men zahl­rei­che Publikationen und Veranstaltungen. Heute (Do, 1.12., Oratorium) wurde ein Symposium zu Ödön von Horváth eröffnet, beglei­tend zur am Literaturarchiv der ÖNB ent­ste­hen­den kri­ti­schen Werkausgabe. Vor weni­gen Wochen wurde ein Symposium zu Hermann Broch ver­an­stal­tet (vgl. die Beiträge in der aktuellen Ausgabe von “Volltext”, 4/2011) Im Frühjahr 2012 wird ForscherInnen mit größeren Arbeitsvorhaben ein eigener Forschungslesesaal zur Verfügung stehen. Das ist sinnvoller und vor allem demokratischer als ein Ausschluss von LeserInnen, den der Beitrag zumindest nahelegt. Walter Schübler diskreditiert gerade auch jene, die, sei es durch eigene Forschungsarbeiten oder sei es durch die Erschließung von Quellen, an der ÖNB auf hohem Niveau arbeiten. Dass nach Amtsantritt von Frau Dr. Rachinger alle Sammlungsdirektoren aus­ge­tauscht wur­den, ist schlicht­weg falsch.
Die Schimpfrede ver­fügt in der österreichischen Literatur von Abraham a Sancta Clara über Karl Kraus (dessen Texte Walter Schübler gut kennt) bis zu Josef Winkler über eine große Tradition. Sie baut aber nicht nur auf pole­mi­scher Gestimmtheit auf, son­dern auch auf nachvollziehbaren Fakten.

Bernhard Fetz, Direktor des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek



Kommentar von Fritz Mitthof

Zeit: 1.12.2011, 6:12 pm

Die ÖNB ist ein wichtiger Forschungspartner des von mir vertretenen Universitätsinstituts. Die Bestände der Papyrussammlung der ÖNB, die für unsere Kenntnis der antiken Welt höchst bedeutsam sind, werden von MitarbeiterInnen beider Institutionen in enger Kooperation erschlossen, entziffert und als historische Quellen ausgewertet. Unter der Ägide von Frau Generaldirektorin Rachinger konnten wir zahlreiche papyrologische Drittmittelprojekte erfolgreich durchführen, mehr als je zuvor. Die Resultate dieser Forschungen werden größtenteils in von der ÖNB getragenen Publikationsreihen veröffentlicht. Hervorzustreichen ist ferner das große Engagement der ÖNB für die Konservierung und Digitalisierung der umfangreichen Sammlungsbestände. Besondere Erwähnung verdient schließlich auch das weltweit einzigartige Papyrusmuseum, das unserer Fachdisziplin die Möglichkeit zu einer breitenwirksamen Darstellung ihrer Ergebnisse bietet.
Grundlage der gemeinsamen Aktivitäten unseres Instituts mit der ÖNB ist ein Kooperationsvertrag zwischen ÖNB und Universität Wien, an dessen Zustandekommen Frau Generaldirektorin Rachinger ganz maßgeblichen Anteil hatte. Dank dieser fruchtbaren Zusammenarbeit, die die Kompetenzen beider Institutionen bündelt, wird in Wien Spitzenforschung von Weltniveau ermöglicht.

Univ.-Prof. Dr. Fritz Mitthof
Institutsvorstand
Universität Wien
Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik



Kommentar von Walter Schuebler

Zeit: 1.12.2011, 9:10 pm

Entzückend! Die “Generalin” lässt ihre Offiziere antreten: Befehlsausgabe. – Und schon rücken sie aus …
Walter Schübler



Kommentar von Hans Petschar

Zeit: 2.12.2011, 12:13 am

Generaldirektorin Johanna Rachinger habe in kaum zehn Jahren die «Oesterreichische Nationalbibliothek ruiniert», die «Sammlungsdirektoren ausgewechselt , um dann die «wissenschaftliche Arbeit in den Sammlungen rigoros herunterzufahren» etc., etc. Sehr geehrter Herr Schuebler! Einmal abgesehen von all den anderen Unterstellungen, Beleidigungen und kaum verhohlenen sexistischen Untergriffen, die ich hier nicht weiter kommentieren moechte, ein paar Bemerkungen zu Ihrem womoeglich als sprachliches Kunststueck intendierten Artikel, der vor Unrichtigkeiten und falschen Behauptungen wie den obigen nur so strotzt.
Als einer jener Sammlungsleiter, die kurz nach dem Amtsantritt von Johanna Rachinger bestellt wurden, weise ich Ihre Behauptungen entschieden zurueck. Unter Beobachtung auch nur der geringsten Sorgfaltspflicht, wie sie sich fuer einen Wissenschaftler eigentlich gehoerte, haetten Sie bei ein wenig Recherche feststellen koennen, dass die Sammlungsleiter nicht ausgewechselt wurden, sondern nahezu alle Neubesetzungen aufgrund von Pensionierungen erfolgten, und zwar nach ordnungsgemaess erfolgten Ausschreibungen, in denen die wissenschaftliche Qualifikation der Bewerber ein entscheidendes Kriterium war. Auch Ihre Feststellung, die Sammlungen seien heruntergefahren worden, ist falsch. Zur Zeit leiten die Direktoren des Literaturarchivs, der Sammlung von Handschriften und Alten Drucken, der Papyrussammlung und der Doppelsammlung Bildarchiv und Grafiksammlung vom FWF gefoerderte Projekte. Wie Ihnen aufgrund Ihrer beruflichen Taetigkeit bekannt sein duerfte, ist die wissenschaftliche Qualifikation der Projektleiter ein Kriterium fuer die internationalen Gutachter, ebenso wie die Qualitaet der Forschungsstaetten. Eben diese Personen haben das Forschungsleitbild der Oesterreichischen Nationalbibliothek im Auftrag der Generaldirektion keineswegs nur abgewunken, sondern vielmehr erarbeitet. Persoenlich bin ich ausserdem stolz darauf, dass zur Zeit nicht nur die Privatbibliothek Kaiser Franz’ I. in einem vom FWF gefoerderten Projekt durch drei Historiker rekonstruiert und wissenschaftlich erforscht wird, sondern eben diese Bibliothek mit ausschliesslich von der OENB bereitgestellten Mitteln durch vier neue Mitarbeiter vollstaendig neu katalogisiert wird – und ich freue mich schlichtweg darueber, dass diese zwei Vorhaben, um die sich mehrere Bibliotheksdirektoren das ganze 20. Jahrhundert hindurch immer wieder bemueht haben, nun realisiert werden koennen.
Die alten Zettelkataloge fand und finde ich auch sympathisch, was mich ebenso wie die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Oesterreichischen Nationalbibliothek nicht daran hindert, die Gegenwart und Zukunft der Bibliothek aktiv mitzugestalten. Dazu zaehlen die Modernisierung der Serviceleistungen der Bibliothek durch die Digitalisierung ebenso wie die Schaffung von Forschungs- und Leseinfrastrukturen nach internationationalem Standard, die Einrichtung von grossen Freihandbereichen (rund 18.000 Baende umfasst alleine die neu eingerichtete Fachbibliothek in der Sammlung Bildarchiv und Grafiksammlung) und von flaechendeckenden mobilen Angeboten, die es erlauben, die Bibliothek gleichzeitig als einen Ort der Ruhe, der Kontemplation und der Forschung durch verschiedene Angebote in ihren historischen Sammlungen und Lesesaelen und als einen offenen, lebendigen sozialen Ort zu erleben.
Abschliessend also: Einfach abgenickt wird in der Oesterreichischen Nationalbibliothek gar nichts, auch nicht Ihre schlecht recherchierte Polemik ueber den «Barockbau (!) am Heldenplatz».

Dr. Hans Petschar
Direktor
Bildarchiv und Grafiksammlung
der Oesterreichischen Nationalbibliothek



Kommentar von Stefan Malfer

Zeit: 2.12.2011, 12:59 pm

Aus der Sicht eines Benützers muß ich nach eigener Erfahrung sagen, dass Schübler vollkommen recht hat. Die Nationalbibliothek ist eine Bibliothek. Sie hat die mit öffentlichen Mitteln erworbenen Sammlungen zu pflegen, natürlich auch wissenschftlich, und den Benützern zur Verfügung zu stellen. Sie ist definitiv kein Studiersaal. Dass sie zu einem Studiersaal geworden ist, das ist ein Mißbrauch öffentlicher Mittel. Für Forscher und Benützer hätte der alte Lesesaal gereicht. Weil man die Studierenden schrankenlos hereinläßt, muß ein neuer Lesesaal gebaut werden. Das kostet Geld. Aber auch ein neuer Lesesaal für Forscher wird sofort von Studierenden okkupiert werden. Ich habe zu Hause studiert, allenfalls an meinem Institut. Nichts gegen Studierende, die Bücher aus den Beständen der NB brauchen für Seminararbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen. Die meisten aber sitzen vor ihren Laptops usw. oder markieren mit Leuchtstiften in ihren Skripten …



Kommentar von booklover

Zeit: 2.12.2011, 3:31 pm

herzlichen dank für diesen artikel!
die postings bringen mich zum schmunzeln (da ich ja nach jahren als mitarbeiterin in der nationalbibliothek schon eine dickere haut habe, muss ich nicht gleich speiben, dass da wieder um die gunst von dr. rachinger gebuhlt wird – könnte sich ja bei der nächsten besprechung auszahlen…)
leider stimmt der artikel, mir wäre als nationalbibliotheks-fan viel lieber, es wäre nicht so, aber leider…man könnte ihn noch seitenweise erweitern, es ist einfach traurig was mit dieser wunderbaren institution passiert und wie viel motivation, wissen und engagement der mitarbeiter durch diese führung verloren geht.



Kommentar von Margot Werner

Zeit: 2.12.2011, 3:56 pm

Sehr geehrter Herr Malfer,

ich darf korrigieren: der Forschungslesesaal wird ausschließlich beruflich wissenschaftlich Tätigen offen stehen und einen Studienabschluss erfordern.
Der neue Lesesaal wird außerdem div. Arbeitserleichterungen für WissenschafterInnen bieten – wie etwa einen umfangreichen Handapparat, einen Public-Scanner oder Kästchen zum Versperren eigener Unterlagen.

Das Anmeldeverfahren startet im Frühjahr 2012. Details folgen auf unserer Website.

Mit freundlichen Grüßen,

Margot Werner



Kommentar von Maria Sandoz

Zeit: 2.12.2011, 3:59 pm

Ist mir völlig neu, dass der Trakt der Hofburg am Heldenplatz, in dem die Nationalbibliothek untergebracht ist, ein Barockbau ist. Neuste wissenschaftliche Ergebnisse der Forschungen von Herrn Schübler?

Auch sonst hat der Schreiber ein Problem. Das ist aber nicht das Problem der Nationalbibliothek, sondern sein eigenes. Spricht nicht gerade für “Recherche”, dass solche Seelenfürze veröffentlicht werden.

M. Sandoz

Eine Benützerin der Nationalbibliothek



Kommentar von Studentin

Zeit: 2.12.2011, 5:55 pm

Vorweg: Weder arbeite ich an der ÖNB noch bin ich Benutzerin der ÖNB – daher kann ich zu den sachlichen (?) Vorwürfen wenig sagen.

Den Stil Ihres Artikels finde ich aber bedenklich. Beispiele: “Weil 98 Prozent aller Plätze von Leuten in Beschlag genommen werden, die dort schlicht nichts verloren haben; von Studenten nämlich” und weiter Studierende seien “eklatanter ‘Fehlbelag'”.

Besuchen Sie bitte während des Semesters unter der Woche und untertags eine beliebige Universitätsbibliothek in Wien (TU, WU, Hauptuni…) – alle Lesesäle platzen aus den Nähten!

Schon mal überlegt, dass Studierende aufgrund ihrer finanziellen Situation in beengten Verhältnissen leben und in der WG oder im Studentenheim keinen ruhigen Platz zum Arbeiten haben? Schon mal überlegt, dass Studierende von auswärts einpendeln und die Zeit zwischen den Lehrveranstaltungen irgendwo sinnvoll nützen möchten, weil der Weg nach Hause einfach zu weit ist?

Ich weiß ja nicht, wie es zu Ihrer Studentenzeit so war, aber soweit ich mich erinnern kann, benötigen Studierende sehr wohl Literatur zum Arbeiten: Lehrbücher zum Lernen, wissenschaftliche Literatur für Seminar- und Diplomarbeiten.

Das mag aus Ihrer Forschersicht vielleicht lächerlich sein, aber das ist genauso wissenschaftliches Arbeiten – wenn auch im Kleinen. Soweit ich weiß, ist es dezidiert erwünscht, dass Studierende das wissenschaftliche Arbeiten und Handwerk erlernen sollen. Sie waren selbst mal Student – nie im Lesesaal gelernt? Nur einsam im stillen Kämmerlein? Mir scheint Sie haben als arrivierter Forscher eine etwas negative Einstellung zum jüngeren Nachwuchs!

Bei aller (vielleicht berechtigten ?) Kritik an der ÖNB – was gibt Ihnen denn das Recht, so auf junge Studierende herabzuschauen? Die Studierenden können sicher nichts für Gebührenerhöhungen oder den neuen Online-Katalog (der soweit ich weiß keine Erfindung der ÖNB ist, sondern in zig Bibliotheken verwendet wird) oder nicht funktionierende Geräte.

Und was schlagen Sie konkret als Lösung vor? Die Studierenden aus der ÖNB verdrängen? An den Universitätsbibliotheken gibt es aber keine zusätzlichen Kapazitäten mehr und vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass es an den Unis die finanziellen Ressourcen etwas knapp bemessen sind – und damit ein weiterer Ausbau von Lesesälen schwerlich möglich. Das Problem würde nur verlagert werden. Letztlich könnten Sie höchstens argumentieren, dass es schlicht und einfach zu viele Studierende gibt – naja, aber an diesem Problem müssen unsere PolitikerInnen arbeiten und so wie es im Moment ausschaut, gibt es noch keine großkoalitionäre Einigkeit (Studiengebühren ja oder nein und in welcher Höhe? Zugangsbeschränkungen ja oder nein und in welcher Form?).

PS: Bitte korrekt gendern!



Kommentar von lea81

Zeit: 2.12.2011, 6:01 pm

wie die benützerstatistik erstellt wird benötigt keine weiteren untersuchungen. das geht ganz einfach. jede stunde wird die anzahl der ausgegebenen sitz-stäbchen (die quasi als platznummer/platzhalter fungieren) gezählt. am ende des tages wird die stundensumme zusammengerechnet. d.h. wenn ein student 8 stunden dort sitzt, gilt er als 8 besucher.



Kommentar von gavagay

Zeit: 2.12.2011, 8:12 pm

Ich bin selber Studentin, kann aber den Unmut von Herrn Schübler gut nachvollziehen. Leider ist der Hauptlesesaal in der letzten Zeit zu einer W-LAN-Hölle geworden, in der konzentriertes Arbeiten nur mehr schwer möglich ist und oft echte Platznot herrscht. Der Forschungslesesaal mag ja für Personen mit Studienabschluß Abhilfe schaffen, aber eben nicht für Studierende oder Leute, die aus privatem Interesse Bücher lesen wollen – so etwas soll es ja auch geben.

Auch die Kritik an der neuen QuickSearch-Suchmaschine ist berechtigt. Bücher, die ich vor einem halben Jahr problemlos gefunden, bestellt und auch bekommen habe, finde ich jetzt nur mit Mühe und grüble über teils schlecht formulierte und in die Irre führende Rückmeldungen des Systems.

Ich möchte aber betonen, dass die Mitarbeiter im Bereich der Lesesäle sehr freundlich und hilfsbereit sind – z.B. wenn man sich bei der QuickSearch-Suche allein wieder einmal eine blutige Nase geholt hat.



Kommentar von Kevin Doleschal

Zeit: 3.12.2011, 1:15 pm

Es ist vollkommen bescheuert, einer Bibliotheksleiterin vorzuwerfen, dass sich Studenten gern in der Bibliothek aufhalten.

Kevin Doleschal, Student der Germanistik



Kommentar von Albertus

Zeit: 3.12.2011, 3:48 pm

Der Autor ist polemisch, verfügt über keine kunsthistorischen Kenntnisse (“Barockbau”!), aber… sonst hat er Recht: Überfüllte Lesesäle mit Wirtschafts- und Jusstudenten Anfang 20, die zwar nicht die Bestände der ÖNB benutzen, aber fleißig mit WLAN surfen. Die restliche Zeit wird damit verbracht, die Skripten respektive gehefteten PowerPoint-Foliensätze mit Leuchtstift bunt einzufärben. Daneben Stöße an sündteueren LexisNexis-, Manz-, Oldenbourg-Lernheftchen, die alles nur nicht “Wissenschaft” vermitteln. Für Menschen, die Forschungsarbeiten durchzuführen haben, ist die Benutzung der ÖNB ein Graus geworden! Ex parvo puero saepe peritus homo?



Kommentar von Studentin_Geschichte

Zeit: 4.12.2011, 3:15 pm

Ich kann mich nur dem Kommentar von “Studentin” anschließen.

Dass Studierende auf der ÖNB “schlicht nichts verloren” haben, ist absurd. Die Universität verlangt wissenschaftliches Arbeiten. wissenschaftliches Arbeiten verlangt wissenschafliche Lektüre. Wissenschafltiche Lektüre findet sich in Bibliotheken. Natürlich ist eine Bibliothek kein Café und kein Ort für Essen, Trinken oder Unterhaltungen. Das auf die Studierenden zu schieben ist aber schlichtweg unfair und vorallem unreflektiert. An den derzeitigen Verhältnissen an den Universitäten sind nicht die Studierenden Schuld. Das erschreckendste an diesem Artikel ist die Überheblichkeit. Beim Lesen kommt mensch sich gerade zu um 100 Jahre zurück versetzt. Heute steht der Weg zu höheren Bildung zum Glück sehr viele Menschen offen (vielen leider auch noch nicht). Dass Wissenschafler_innen den zukünftigen Wissenschaftler_innen (Studierende!) mit einer solchen Einstellung gegenüberstehen, die einem “Alter vor Schönheit”- Prinzip entspricht, ist tragisch.

Herr Schübler, ich bitte Sie den Wiener Universitäts-und Institutsbibliotheken einmal einen Besuch abzustatten. Es ist dabei vollkommen gleichgültig ob Sie auf die Hauptuniversität, ins alte AKH oder auf irgendeins der Institute gehen. Versuchen Sie unter der Woche einen Platz zu bekommen. Bedenken Sie dabei, dass die Öffnungszeiten meist zwischen 09:00 und 18:00 Uhr liegen. Übrigens sind nicht alle Bücher zu entleihen. Manchne nur übers Wochenende, manche gar nicht. Apropos Wochenende, da sind die Bibliotheken natürlich geschlossen und in den Ferien haben sie auch nicht so lang offen. Vllt wohnen Sie ja auch in einem äußeren Bezirk oder arbeiten vllt neben der Universität. Tja.

Entschuldigen Sie die Polemik, aber der Artikel war polemisch, unreflektiert und unsensibel.



Kommentar von gavagay

Zeit: 4.12.2011, 6:04 pm

Kevin Doleschal – wer wirft denn da Direktorin Rachinger vor, dass sich Studierende gerne in der ÖNB aufhalten? Es geht doch wohl ums Wie und auch darum, dass Studierende selbst Interesse daran haben sollten, nicht nur als Leute auf der Suche nach billigen Surfgelegenheiten gesehen zu werden. Und es geht auch schlicht und einfach um die Platzfrage. Wenn Personen, die Bücher bestellt haben und sie ansehen wollen (darunter übrigens auch viele Studierende!!), keinen Platz finden und andere, die eben 5 Minuten früher da waren, inzwischen gemütlich online Zeitung lesen, ist das keineswegs in Ordnung. Und vielleicht auch einmal lästig für Sie, wenn Sie einmal 5 Minuten zu spät kommen.

Und Studentin – “Weder arbeite ich an der ÖNB noch bin ich Benutzerin der ÖNB – daher kann ich zu den sachlichen (?) Vorwürfen wenig sagen” – aber gleich mal ein paar unsachliche Vorwürfe machen und Autor Schübler Feindseligkeit gegen Studierende vorwerfen, das scheint ja kein Problem zu sein.

Der Punkt ist doch das Ködern von Studierenden quasi mit Freibier, um die Besucherzahlen zu steigern. Wenn man/frau nicht durchschaut, dass diese Kritik sich in erster Linie an Rachinger richtet und nicht an die Besucher, muss wohl mangelnde Lesefähigkeit dahinterstecken.



Kommentar von bibliophile

Zeit: 5.12.2011, 9:22 am

Schön, dann ist Herr Schübler, den ich bisher nicht kannte, eben polemisch. Aber wen wunderts? Seit 10 Jahren strotzen Tages- und andere Zeitungen von Rachingerbejubelungen, die zahlreichen bezahlten Werbungen und Beilagen nicht eingerechnet. Dass sie nicht die erste weibliche Generaldirektorin der ÖNB ist (und das auch wirklich nie behauptet hat), wurde nach Monaten oder Jahren falscher Berichterstattung dann doch erstaunt zur Kenntnis genommen. Dinge, die einfach zum internationalen Standard für Bibiotheken dieser Größenordnung gehören, werden ihr ständig als besonderes Verdienst angerechnet. Nach so langer, hartnäckiger Jubelberichterstattung regt sich irgendwann Überdruss, vor allem wenn man die ÖNB von innen kennt. Launenhaftigkeit und Kontrollzwang der GD machen ÖNB-Bediensteten das Leben schwer, das zeigt sich nicht nur in der erstaunlich großen Mitarbeiterinnenfluktuation in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Und neben der Großzügigkeit in Form von freier W-LAN-Nutzung, Lesesaalausbauten und Design herrscht kleinliche Knausrigkeit in Bezug aufs Personal: Gerade die Benutzer(“Besucher”)bereiche leiden unter personeller Ausdünnung.



Kommentar von Herbert Mayer

Zeit: 5.12.2011, 11:14 am

Ich reagiere auf eine Bemerkung von „Booklover“, wobei ich mich frage, ob sie wirklich vom Haus ist. Denn dann wüsste sie, dass jede Anbiederung bei Frau Dr. Rachinger absolut zwecklos ist. Sie bleibt in dienstlichen Angelegenheiten immer bei der Sache, ganz gleich in welchem Verhältnis man zu ihr steht. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Intrigen und Freunderlwirtschaft mit dem Amtsantritt der Generaldirektorin schlagartig aufgehört haben.

Herbert Mayer (seit 1985 an der ÖNB, unkündbar und knapp vor der Pensionierung, es daher nicht nötig habend, mich bei wem auch immer einzuschleimen)



Kommentar von Maria Sandoz

Zeit: 5.12.2011, 8:39 pm

In der Wikipedia wurde dieser Artikel in der Literaturliste zu “Johanna Rachinger” endgültig als zu mies verbannt. Interessant sind die Begründungen:

“Für die Schrift von Schübler ist der Begriff “Artikel” um einige Ebenen zu hoch gegriffen. Der Wissenschaftler fühlt sich gestört, weil Studenten sich erdreisten, den Lesesaal zu okkupieren, den er als persönliches Habitat betrachtet. Dann zimmert er sich, oberflächlich recherchiert, ein paar Argumente zusammen, um mal so richtig auszuspeien. Das ganze hat Geruch und Ausstrahlung eines Leserbriefs an die Ortszeitung oder einer Kunden-Beschwerde, wie man sie seinem Dienstleister halt ab und zu schreiben muss, wenn man sich nicht ausreichend geschätzt fühlt.”



Kommentar von Walter Schuebler

Zeit: 6.12.2011, 11:01 am

Wie’s “Maria Sandoz” mit der Wahrheit hält, erweist ein Blick auf den Wikipedia-Eintrag “Johanna Rachinger”. Der Link zum “Recherche”-Artikel “Die Generalin oder: Wie man eine Nationalbibliothek herunterwirtschaftet” steht, nachdem er – von wem auch immer 😉 – “vandaliert” (wie das auf Wikipedisch heißt) worden war, wieder dort, wo er hingehört.
Walter Schübler



Kommentar von Andreas

Zeit: 8.12.2011, 6:23 pm

Als langjähriger Mitarbeiterin muß ich bedauerlicherweise feststellen das 95 % des Artikel stimmen. Das allen den Zahlen geopfert wird egal mit welchen Mitteln, das das Betriebsklima seit Amtsantritt unpersönlicher wurde, das Entscheidungen, die teilweise weitab von jeglichen Erfahrung getroffen werden. Die häufige Fluktuation der Mitarbeiter, nicht nur bei der ÖA. Und ja es gibt Forschungsprojekte aber auch die haben den angenehmen Nebeneffekt das die Statistik wieder besser ausschaut und es sofort wieder einen guten Bericht in den Medien gibt.



Kommentar von Ikarus Kaiser

Zeit: 22.12.2011, 2:28 pm

Der Artikel stimmt sehr bedenklich und es bleibt zu hoffen, daß die Realität doch anders aussieht. Ich habe in den letzten Jahren den Hauptlesesaal der ÖNB nur sehr wenig benutzt, weshalb ich mir persönlich kein Urteil darüber abzugeben traue. Für mein langjähriges Forschungsvorhaben, die Edition eines altgriechischen Musik-Schriftstellers forschte ich jahrelang in anderen großen Bibliotheken und Archiven, insbesondere in Rom (2002-2004) und Neapel, zeitweise auch in Prag, in Österreich hauptsächlich aber in eigenständigen Fachbibliotheken in Salzburg, Wien und meiner Heimatstadt Linz, vorzugsweise in Bibliotheken mit Freihandaufstellung. In solchen kleinereren Fachbibliotheken (in meinem Fall in den Bereichen Musik / klassische Philologie / Philosphie) fand und finde ich immer ausgezeichnete Bedingungen vor. Aus meiner Studienzeit in Rom möchte ich jedoch, dazu passend ein Vergleichs-Beispiel geben: In der Vatikanischen Bibliothek war in den Jahren, als ich dort forschte, absolute Stille gefordert. Dies lag auch im Interesse aller Forscher, denn viele von uns hatten zeitlich begrenzte, teilweise sehr hoch dotierte Stipendien und mußten deshalb in einem gewissen Zeitrahmen auch ein hohes Forschungspensum erledigen. Da die Vatikanische Bibliothek in sämtlichen Beständen als reine Präsenzbibliothek konzipiert ist, müssen die Forscher auch vor Ort arbeiten. Der Eintritt war zu meiner Zeit grundsätzlich nur mit Magisterium und einem Empfehlungsschreiben einer (gastgebenden)Institution, z. B. eines ausländischen Kulturinstituts, möglich, sodaß Studenten nur in Ausnahmefällen anzutreffen waren. Dies erscheint auch naheliegend, denn Sekundärliteratur, wie sie für universitäre Seminar- und Diplomarbeiten hauptsächlich benötigt wird, ist ohnedies in anderen großen Bibliotheken Roms zur Genüge vorhanden, wo damals allerdings auch relativ strenge Benutzerordnungen herrschten. Selbstverständlich gab es in dieser Zeit auch ein absolutes Handy-Verbot. Als dennoch einmal das Telefon eines ausländischen Forschers im Druckschriften-Lesesaal klingelte, bekam er vom damaligen Abteilungsleiter eine dreimonatige Sperre auferlegt. Die Maßnahme erschien uns allen als zu drakonisch, doch wir Leser hatten keinerlei rechtliche Handhabe und hätten uns auch niemals getraut, einer solchen Order in irgendeiner Form zu widersprechen. Eine dreimonatige Sperre für die ganze Bibliothek hätte für den betreffenden Leser freilich katastrophale Folgen gehabt: Er war Stipendiat (wenn ich mich recht erinnere, sogar aus einem Land außerhalb Europas) und hätte dadurch in dieser Zeit nicht an seinem Forschungsvorhaben weiterarbeiten können, da er ja hauptsächlich wegen der Vatikanischen Quellen nach Rom gegangen war. Ich erfuhr, daß der betreffende Leser erst nach einer offiziellen Intervention seines gastgebenden Instituts nach etwa zwei Wochen doch wieder Zutritt zur Bibliothek erhielt. Natürlich sind solche Bestrafungsmaßnahmen sehr drastisch; ich möchte aber betonen, daß ich mein Buch ohne die Lesesaal-Disziplin in der Vatikanischen Bibliothek nicht hätte schreiben können.



Kommentar von stockerer

Zeit: 23.12.2011, 3:13 pm

Wenn man solche Blogeinträge nicht als Chance zur Imageverbesserung versteht, dann wünsch ich der Nationalbliothek, dass sie sich nie in Sozialen Netzwerken versucht. Denn dort geht der Shitstorm bei einem solchen Verhalten bezüglich Kritik erst so richtig los.

Denn dort nehmen sich die -ach so hofierten- Studenten kein Blatt vor den Mund. Löschen von Postings und Kommentaren könnte zur Dauerbeschäftigung eines Vollzeitäquivalentes werden 😉

Also, nicht befehlen zurück zu rotzen, sondern lernen.



Kommentar von Andreas

Zeit: 25.12.2011, 10:24 pm

Bezugnehmen Freundelwirtschaft möchte ch nur soweit draufhinweisen das eine Angestellte in der Önb arbeite die ganz überrschenderweise ausdem selben Geburtsort wie Fr.Dr.Rachinger kommt und jetzt nachdem der Uberreuterverlag Pleite gegeangen ist sind doch einige Mitarbeiter von dort in der ÖNB untergekommen( Fr Dr. Johanna Rachinger war hatte gemeinsam mit ihrem Mann höhereStellen im Uberreuter Verlag also bitte nicht damit kommen das es keien Freundelwirtschaft mehr gibt.



Kommentar von Christine Kasper

Zeit: 28.12.2011, 5:57 pm

Der Artikel “Die Generalin” hat mich entsetzt, v.a. auch, weil er in einem Medium steht, das ansonst (dachte ich) auf Recherche und größtmögliche Objektivität wert legt. Einen solchen Frontalangriff auf eine einzige Person würde ich eher in einer Boulevardzeitung vermuten. Angesichts der Tatsache, dass mit Bernhard Fetz ein ÖNB-Mitarbeiter zum Editorial Board der “Recherche” gehört, scheint es mir plausibel, dass der Artikel doch auch Misstimmung in der Nationalbibliothek selbst zum Ausdruck bringt. Ich werde allerdings das Gefühl nicht los, dass da Männer auf den Erfolg einer Frau neidisch sind. Ich kenne die ÖNB noch aus den siebziger und achtziger Jahren – Schübler beschwert sich darüber, dass man “nur” fünf Bücher gleichzeitig entlehnen darf, vor Rachinger waren es auch nicht mehr als fünf, sehr oft drei, zeitweise sogar überhaupt nur eines! Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ein Student nicht in den Lesesaal hineingelassen wurde, weil er kurze Hosen trug, was als nicht der Würde einer Bibliothek angemessen betrachtet wurde. Damals war die ÖNB interessant für historisch bedeutsame Werke, aber aktuelle Nachschlagewerke suchte man dort vergeblich. Die Wörterbücher, die im Lesesaal bereit standen, waren allesamt veraltet und für die Übersetzung aktueller Texte unbrauchbar. Ich bin sehr froh, dass es Direktorin Rachinger geschafft hat, aus der ÖNB eine Institution zu machen, die im österreichischen Kulturleben präsent ist.

PS.: Zum Eintrag von “Andreas” vom 25. Dezember: Wenn ich das Deutsch des Eintrags richtig interpretiere, wird Frau Rachinger hier vorgeworfen, Personen mit Erfahrung im Buchbereich, die unverschuldet arbeitslos geworden waren, Arbeit an der Nationalbibliothek verschafft zu haben. Und das soll ein Beweis für Freunderlwirtschaft sein?



Kommentar von scorpio

Zeit: 29.12.2011, 1:04 pm

Verstehen Sie die Aufregung über den Führungsstil und die Qualifikation der „Generalin“???
Ich nicht – tut sie doch nur das, wofür sie nach einem Evaluierungsverfahren auf höchstem Level von Ministerin Gehrer ausgewählt wurde.
Was waren die Auswahlkriterien? Nachzulesen z.B. im Kurier vom 4.3.2001: „ Sie ist eben, wie sie ist – perfekt,
ohne sich verstellen zu müssen. Sie hebt das Sektglas formvollendet. Kein kleiner Finger der absteht…..“
Die richtige Frau an der richtigen Stelle. Niemand käme auf die Idee das anzuzweifeln. Am wenigsten die neue Generaldirektorin selbst.
Eine dem hohen wissenschaftlichen der ÖNB möglichst entsprechend gebildete Generalin wurde ja nicht gesucht
(dazu die Wiener Zeitung vom 13.6.2001: „…Einstweilen kommt sie auf Inkunabeln zu sprechen, wenn sie zum Papierzerfall befragt wird,
der doch nur die Bücher des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts gefährdet.“
Zur Mitarbeiterführung: Ganz schnell wurde die Stelle des Stellvertreters neu besetzt – mit einer Buchhalterin der ÖMV.
Den Kritiken von Andreas Weigl und dem Autor dieses Artikels ist meinerseits voll recht zu geben,
auch wenn Kritiken an der Generalin als Majestätsbeleidigung angesehen werden.



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